FWR-Energiegenossenschaft vor dem Ende

Nach gescheitertem Windradplan keine sinnvollen Projekte in Aussicht

Böhmfeld (sdr) Was vor etwas mehr als fünf Jahren mit viel Euphorie und Engagement begann, muss nun zum Leidwesen der Beteiligten zwangsläufig ein Ende nehmen. Gemeint ist die FWR-Energiegenossenschaft Böhmfeld, gegründet zum Zwecke der Errichtung von zwei Bürgerwindrädern zur umweltfreundlichen dezentralen Stromgewinnung zugunsten von Gemeinde und Bürgerschaft. Ein denkwürdiges Ereignis für die Mitglieder war vor kurzem die Generalversammlung. Im Mittelpunkt stand der einhellige Beschluss zur Auflösung der Genossenschaft.

Da Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Ostermeier nicht anwesend sein konnte, leitete Vorstand Otmar Oesten die Versammlung. Er berichtete, dass es in der Vorstandschaft im Januar dieses Jahres einen Wechsel gegeben habe. Vorstand Christian Preißer habe sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung gestellt. Aufsichtsrat Hans-Jörg Hoffmann sei nachgerückt. Des Weiteren ließ Oesten wissen, dass die Prüfung der Genossenschaft durch den Genossenschaftsverband zu keinerlei Beanstandungen geführt habe.

Der Blick zurück zeigt folgendes Bild: Obwohl die Gemeinde im Jahre 2012 rasch die einzige geeignete Fläche für den Bau von Windkraftanlagen in Böhmfeld ausfindig gemacht, ausgewiesen und verschiedene erforderliche Gutachten in Auftrag gegeben hatte, scheiterte die Verwirklichung des Vorhabens. Es gab drei Gründe: Just in dieser Zeit wurde der Abstandsradius rund um Erdbebenmessstationen, wovon in der Böhmfelder Gemarkung eine vorhanden ist, von drei auf fünf Kilometer erweitert. Der mögliche Windradstandort befindet sich innerhalb dieser Tabuzone. Vom Militärflugplatz Ingolstadt-Manching kam die Meldung, dass wegen des Radarbetriebs eine Bauhöhenbeschränkung für Windräder zu beachten sei. Dies bedeutet, dass in Böhmfeld derzeit kein wirtschaftlicher Betrieb von Windkraftanlagen möglich ist. Schlussendlich entschloss sich die Bayerische Staatsregierung, den Bürgerprotesten Rechnung zu tragen und die 10-H-Regelung einzuführen, was heißt, dass der Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung das Zehnfache der Anlagenhöhe betragen muss – ein weiteres Totschlagsargument für Windkraftanlagen in Böhmfeld.

Als Hoffnungsschimmer blieb im vergangenen Jahr der geplante Bau von mehreren Windrädern in der Nachbarortschaft Hofstetten durch die Firma Ostwind aus Regensburg. In dieses Projekt, so Bürgermeister Roland Sammüller damals in der Versammlung, könne die FWR-Energiegenossenschaft Böhmfeld einsteigen. Da sich dieser Standort in Hofstetten zwar am Rande aber immer noch innerhalb der Schutzzone der Böhmfelder Erdbebenmessstation befindet, wartete die Genossenschaft auf ein Gerichtsurteil aufgrund einer Klage eines Windradbetreibers aus Beilngries gegen den erweiterten Abstandsradius. Die Auflösung der FWR-Energiegenossenschaft wurde so erst mal auf Eis gelegt.

Jetzt stellte Bürgermeister Sammüller in der jüngsten Versammlung klar, dass das Gericht eine Rücknahme der Erweiterung der Schutzzonen für seismologische Anlagen zugunsten von Windparks abgelehnt habe. Allerdings liege dem Landratsamt Eichstätt noch keine schriftliche Begründung des Urteils vor, merkte er an. Sammüller vermutet, dass eine Fortführung der Klage bei der nächsten Instanz, dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, wenig Aussicht auf Erfolg habe, weil Fachleute eher zu einer nochmaligen Ausdehnung der Tabuzone tendierten. Nichtsdestotrotz wolle Investor Ostwind am Ball bleiben, da er bereits viel Geld in das Hofstettener Projekt investiert habe, gab der Bürgermeister zu verstehen.

„Abwarten können und wollen wir nicht mehr, weil die jährlich anfallenden betrieblichen Aufwendungen wie Kosten für den Steuerprüfer und Beitrag zum Genossenschaftsverband das jetzt noch vorhandene Kapital weiter schrumpfen lassen“, betonte Vorstand Otmar Oesten. 1.200 Genossenschaftsanteile zu je 100 Euro waren erworben worden. Durch Verzinsung entstand eine Gesamtsumme von 123.503 Euro. Kostspielige Fachgutachten und Betriebsausgaben reduzierten den Betrag auf mittlerweile 63.669,48 Euro.

Angesichts der Tatsache, dass nur noch die Hälfte des von den Anlegern eingezahlten Geldes vorhanden ist und in absehbarer Zeit kein anderes sinnvolles Projekt ins Auge gefasst werden kann, votierten die anwesenden Genossenschaftsmitglieder geschlossen für die Auflösung der Genossenschaft. Die Gründe für das Scheitern sollten unbedingt schriftlich festgehalten werden, regte ein Genossenschaftsmitglied an. Otmar Oesten und Hans-Jörg Hoffmann wurden zu Liquidatoren bestellt. Sie werden sich in den kommenden Monaten um die bürokratischen Vorgänge zur Auflösung der Genossenschaft kümmern. Bei der nächsten Generalversammlung werden die Genossenschaftsmitglieder erfahren, was von ihren Beiträgen noch übrig ist und an sie anteilsmäßig ausgezahlt werden kann.    

EG Bfld Aulösungsversammlung 17-05-19 Za

Foto adamo

Aktualisiert (Montag, den 22. Mai 2017 um 21:02 Uhr)

 

Einladung zur G e n e r a l v e r s a m m l u n g

Liebes Mitglied,
hiermit laden wir Sie herzlich zur Generalversammlung der FWR Energiegenossenschaft Böhmfeld eG  am  19.05.2017 um 19.30 Uhr im Sportheim in Böhmfeld, Hofstetterstr. 22, ein.

Tagesordnung:
1.    Eröffnung und Begrüßung
2.    Bericht des Vorstands
       a)    Jahresrückblick
       b)    Kassenbericht, wesentliche Ausgaben
       c)    Beschlussfassung zur Genehmigung der Ausgaben
3.   Bericht des Aufsichtsrats
4.   Beschlussfassung über die Entlastung der
      a)    Mitglieder des Vorstandes
      b)    Mitglieder des Aufsichtsrats
5.    Auflösung der FWR Energiegenossenschaft Böhmfeld eG ,
      a)    Bericht über den Status des Windradprojektes Hofstetten
      b)    Beratung und Beschlussfassung
      c)    gegebenenfalls Bestellung der Liquidatoren
6.    Verschiedenes

Die Rechnungen des Jahres 2016 liegen während der Versammlung zur Einsicht aus.

Falls Sie nicht persönlich an der Generalversammlung teilnehmen können und sich entsprechend § 43 Abs. 5 Genossenschaftsgesetz vertreten lassen möchten, geben Sie bitte Ihrem Vertreter/Ihrer Vertreterin die ausgefüllte Stimmvollmacht mit, die Sie in der Anlage finden. Bitte beachten Sie, dass eine Person höchstens 2 Mitglieder vertreten kann.

Mit freundlichen Grüßen


Otmar Oesten            Hans-Jörg Hoffmann
Vorstand                   Vorstand




Vollmacht für die Generalversammlung

 

 

Name , Vorname, Mitgliedsnummer ………………………………………………………………………………………………..

Anschrift …………………………………………………………………………………………………………………………………………

 

 

PLZ, Ort …………………………………………………………………………………………………………………………………………..

Vollmacht zur Generalversammlung der FWR Energiegenossenschaft Böhmfeld eG iG. am 19.05.2017 um 19.30 Uhr im Sportheim in Böhmfeld, Hofstetter Straße 22.

 

Wir/ ich bevollmächtige

 

Frau/ Herrn ………………………………………………………………………………………………………………………….

 

Uns/ mich in allen Angelegenheiten bei der Generalversammlung der Genossenschaft zu vertreten, insbesondere die Satzung für uns / mich zu unterschreiben und für uns / mich bei den Wahlen zum Vorstand / Aufsichtsrat abzustimmen.

 

 

Ort, Datum ………………………………………………………….   Unterschrift………………………………………….    


Aktualisiert (Mittwoch, den 26. April 2017 um 16:39 Uhr)

 

 EK 13.07.2016

Aktualisiert (Donnerstag, den 14. Juli 2016 um 18:52 Uhr)

 

 

Bisherige Aufsichtsräte in ihrem Amt bestätigt / Roland Sammüller und Bernd Weber neu dazu gewählt

Böhmfeld (sdr) „Auflösung der FWR-Energiegenossenschaft Böhmfeld“ stand als Haupttagesordnungspunkt in der Einladung zur jüngsten ordentlichen Generalversammlung der Genossenschaft. Dann jedoch wartete auf die Teilnehmer, deren Reihen recht ausgelichtet waren, eine unerwartete Überraschung: Es hat sich eine kleine neue Perspektive für den Windradbetrieb aufgetan! Nach Anhörung der detaillierten Ausführungen und gut genutzter Diskussion votierte eine deutliche Mehrheit mit verhaltener Euphorie für den Fortbestand der Genossenschaft.

„Ein Bürgerwindrad oder zwei in Böhmfeld“ war das erklärte Ziel der vor gut vier Jahren gegründeten Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Energiegenossenschaft Böhmfeld. Groß war die Enttäuschung der Genossenschaftsmitglieder aus Böhmfeld und Umgebung, als das Vorhaben wegen des Flugverkehrs aus Manching und der Erdbebenmessstation in Böhmfeld zum Scheitern verurteilt war. Ein Jahr wolle man noch zuwarten, hieß es bei der Generalversammlung vor einem Jahr, dann werde eine Auflösung der Genossenschaft unumgänglich sein.

Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Ostermeier klärte in der aktuellen Versammlung zunächst auf, dass zu einer Auflösung eine Mehrheit von drei Vierteln der Genossenschaftsmitglieder erforderlich sei und sich dann ein Liquidationsverfahren anschließe, wofür die Generalversammlung zwei Liquidatoren zu bestellen habe. Nach einem Sperrjahr könne dann die Verteilung des restlichen Geldbestandes an die Genossenschaftsmitglieder erfolgen. Zu bedenken sei allerdings, so Ostermeier dann, dass sich nach Rücksprache mit Bürgermeister Roland Sammüller (Hitzhofen) bei dem von der Energiegenossenschaft Böhmfeld interessiert beobachteten Windkraftprojekt im Hofstettener Forst für die Genossenschaft ganz kurzfristig eine veränderte Situation ergeben könnte. Ratsam sei es deshalb, der Genossenschaft wenigstens noch für ein Jahr eine Chance einzuräumen.

Aufschlussreich waren dazu die Informationen von Roland Sammüller. „Die erweiterte Schutzzone von fünf Kilometern um die Böhmfelder Erdbebenmessstation und die Bauhöhenbeschränkung für Windräder wegen des Radarbetriebs des Flugplatzes Manching stellten sich als Totschlagskriterien für unseren geplanten Windpark im Hofstettener Forst heraus“, berichtete er. Ein Beilngrieser Windradbetreiber klage derzeit gegen den Schutzradius um die dortige Erdbebenmessstation. Das vom Gericht bestellte Obergutachten sei noch in diesem Sommer zu erwarten. Gescheitert sei der Versuch, über den Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl eine Verkleinerung der Schutzzone zu erreichen.

Der Projektant, die Regensburger Firma Ostwind, bemühe sich derzeit, eine Einzelgenehmigung für nur noch drei Windräder statt der ursprünglich geplanten sieben zu erreichen, ließ Bürgermeister Sammüller wissen. Dazu laufen derzeit Gespräche mit dem Flughafen Manching. Ziel sei es, so Sammüller, die bisherige pauschale Ablehnung des Projekts durch eine detaillierte Einzelbetrachtung der Standorte zu ersetzen und so zu einer Genehmigung zu kommen.

„Ich habe große Hoffnung, dass drei Räder realisiert werden können , bei denen sowohl die 10-H-Regelung eingehalten als auch mit Blick auf den Naturpark Altmühltal die Höhe von 200 Metern verwirklicht werden kann“, zeigte sich Roland Sammüller optimistisch. Ostwind sehe bei dieser Bauhöhe keine Probleme für die Wirtschaftlichkeit und eröffne Genossenschaften und Kommunen die Möglichkeit, ein Windrad oder mehrere zu erwerben.

Wenn alles gut laufe, genügend Eigenkapital vorhanden und die Wirtschaftlichkeit trotz Strommengenbeschränkung und sinkender Einspeisevergütung gesichert sei, könne die Energiegenossenschaft Böhmfeld durchaus ein Windrad erwerben, meinte Vorstand Otmar Oesten. Im letzten Jahr habe es zwischendurch so ausgesehen, als würden die Lichter ausgehen“, gab er zu. Man habe sich mit anderen Projekten im Umkreis von Böhmfeld beschäftigt, allerdings ergebnislos.

Die Genossenschaft verfüge derzeit noch über ein Umlaufvermögen von 65.000 Euro, das sich ergebe aus den etwa 1.200 Genossenschaftsanteilen abzüglich der geleisteten Zahlungen für Gutachten für das geplante Bürgerwindrad in Böhmfeld, stellte Oesten fest. Pro Jahr fielen Kosten in Höhe von knapp 2.000 Euro, darunter auch der Beitrag zum Genossenschaftsverband. Einstimmig erfolgte daraufhin die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.

„Ich sehe die Sache nicht so optimistisch, aber wir sollten den Hauch einer Chance nützen und deshalb die Energiegenossenschaft nicht auflösen“ betonte Aufsichtsratsvorsitzender Ostermeier. Als erstes müsse mit Ostwind sofort die Realisierbarkeit geklärt werden. Im nächsten Jahr werde man dann deutlich mehr darüber wissen.

„Nicht auflösen und die Chance ergreifen, selbst wenn es zwei Jahre dauert!“, rief ein Genossenschaftsmitglied in die Runde und erntete dafür spontanen Applaus. „Auflösen, weil die Einspeisevergütung schwindet“, lautete eine Gegenstimme. „Es gibt keinen Grund zur Auslösung der Genossenschaft, auch wenn die EEG-Vergütungen runtergehen“, belehrte Energiebündel-Experte Josef Loderer. Schließlich waren 37 Stimmen zu verzeichnen für den befristeten Weiterbestand der Genossenschaft und 15 für die Auflösung.

Bei der nun erforderlichen Neuwahl des Aufsichtsrates wurden Hansjörg Hofmann, Alfred Ostermeier, Klaus-Peter Rinke und Josef Stelz per Handzeichen einhellig in ihrem Amt bestätigt. Volle Stimmenzahl bekam auch Roland Sammüller, den Aufsichtsratsvorsitzenden Alfred Ostermeier als fünftes Aufsichtsratsmitglied vorschlug. Josef Loderer, Vorsitzender des Energiebündels im Landkreis Eichstätt, plädierte für Dr. Bernd Weber (Böhmfeld). Weber, der das halbe Dutzend voll machte, erhielt drei Gegenstimmen. „Der Aufsichtsrat ist konstituiert und arbeitsfähig“, resümierte Aufsichtsratsvorsitzender Ostermeier. Rückblickend auf die vergangenen vier Jahre dankte er seinen Mitstreitern sowie den beiden Vorständen Otmar Oesten und Christian Preißer für die „gute und vertrauliche Zusammenarbeit“ sowie für „Sachlichkeit und Kompetenz“.

 energie-genossenschaft jhv 16-06-24 03 z

Text zum Foto (adamo):

Gezeichnet von der Sommerschwüle im Sportheim des FC Böhmfeld: Vor der Neuwahl die Spitzenmannschaft der FWR-Energiegenossenschaft Böhmfeld mit den Aufsichtsräten Josef Stelz, Klaus-Peter Rinke, Hansjörg Hofmann und ihrem Vorsitzender Alfred Ostermeier (am Rednerpult) sowie mit den Vorständen Christian Preißer und Otmar Oesten (v. links).

Aktualisiert (Dienstag, den 28. Juni 2016 um 17:42 Uhr)

 
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