Bisherige Aufsichtsräte in ihrem Amt bestätigt / Roland Sammüller und Bernd Weber neu dazu gewählt

Böhmfeld (sdr) „Auflösung der FWR-Energiegenossenschaft Böhmfeld“ stand als Haupttagesordnungspunkt in der Einladung zur jüngsten ordentlichen Generalversammlung der Genossenschaft. Dann jedoch wartete auf die Teilnehmer, deren Reihen recht ausgelichtet waren, eine unerwartete Überraschung: Es hat sich eine kleine neue Perspektive für den Windradbetrieb aufgetan! Nach Anhörung der detaillierten Ausführungen und gut genutzter Diskussion votierte eine deutliche Mehrheit mit verhaltener Euphorie für den Fortbestand der Genossenschaft.

„Ein Bürgerwindrad oder zwei in Böhmfeld“ war das erklärte Ziel der vor gut vier Jahren gegründeten Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Energiegenossenschaft Böhmfeld. Groß war die Enttäuschung der Genossenschaftsmitglieder aus Böhmfeld und Umgebung, als das Vorhaben wegen des Flugverkehrs aus Manching und der Erdbebenmessstation in Böhmfeld zum Scheitern verurteilt war. Ein Jahr wolle man noch zuwarten, hieß es bei der Generalversammlung vor einem Jahr, dann werde eine Auflösung der Genossenschaft unumgänglich sein.

Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Ostermeier klärte in der aktuellen Versammlung zunächst auf, dass zu einer Auflösung eine Mehrheit von drei Vierteln der Genossenschaftsmitglieder erforderlich sei und sich dann ein Liquidationsverfahren anschließe, wofür die Generalversammlung zwei Liquidatoren zu bestellen habe. Nach einem Sperrjahr könne dann die Verteilung des restlichen Geldbestandes an die Genossenschaftsmitglieder erfolgen. Zu bedenken sei allerdings, so Ostermeier dann, dass sich nach Rücksprache mit Bürgermeister Roland Sammüller (Hitzhofen) bei dem von der Energiegenossenschaft Böhmfeld interessiert beobachteten Windkraftprojekt im Hofstettener Forst für die Genossenschaft ganz kurzfristig eine veränderte Situation ergeben könnte. Ratsam sei es deshalb, der Genossenschaft wenigstens noch für ein Jahr eine Chance einzuräumen.

Aufschlussreich waren dazu die Informationen von Roland Sammüller. „Die erweiterte Schutzzone von fünf Kilometern um die Böhmfelder Erdbebenmessstation und die Bauhöhenbeschränkung für Windräder wegen des Radarbetriebs des Flugplatzes Manching stellten sich als Totschlagskriterien für unseren geplanten Windpark im Hofstettener Forst heraus“, berichtete er. Ein Beilngrieser Windradbetreiber klage derzeit gegen den Schutzradius um die dortige Erdbebenmessstation. Das vom Gericht bestellte Obergutachten sei noch in diesem Sommer zu erwarten. Gescheitert sei der Versuch, über den Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl eine Verkleinerung der Schutzzone zu erreichen.

Der Projektant, die Regensburger Firma Ostwind, bemühe sich derzeit, eine Einzelgenehmigung für nur noch drei Windräder statt der ursprünglich geplanten sieben zu erreichen, ließ Bürgermeister Sammüller wissen. Dazu laufen derzeit Gespräche mit dem Flughafen Manching. Ziel sei es, so Sammüller, die bisherige pauschale Ablehnung des Projekts durch eine detaillierte Einzelbetrachtung der Standorte zu ersetzen und so zu einer Genehmigung zu kommen.

„Ich habe große Hoffnung, dass drei Räder realisiert werden können , bei denen sowohl die 10-H-Regelung eingehalten als auch mit Blick auf den Naturpark Altmühltal die Höhe von 200 Metern verwirklicht werden kann“, zeigte sich Roland Sammüller optimistisch. Ostwind sehe bei dieser Bauhöhe keine Probleme für die Wirtschaftlichkeit und eröffne Genossenschaften und Kommunen die Möglichkeit, ein Windrad oder mehrere zu erwerben.

Wenn alles gut laufe, genügend Eigenkapital vorhanden und die Wirtschaftlichkeit trotz Strommengenbeschränkung und sinkender Einspeisevergütung gesichert sei, könne die Energiegenossenschaft Böhmfeld durchaus ein Windrad erwerben, meinte Vorstand Otmar Oesten. Im letzten Jahr habe es zwischendurch so ausgesehen, als würden die Lichter ausgehen“, gab er zu. Man habe sich mit anderen Projekten im Umkreis von Böhmfeld beschäftigt, allerdings ergebnislos.

Die Genossenschaft verfüge derzeit noch über ein Umlaufvermögen von 65.000 Euro, das sich ergebe aus den etwa 1.200 Genossenschaftsanteilen abzüglich der geleisteten Zahlungen für Gutachten für das geplante Bürgerwindrad in Böhmfeld, stellte Oesten fest. Pro Jahr fielen Kosten in Höhe von knapp 2.000 Euro, darunter auch der Beitrag zum Genossenschaftsverband. Einstimmig erfolgte daraufhin die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.

„Ich sehe die Sache nicht so optimistisch, aber wir sollten den Hauch einer Chance nützen und deshalb die Energiegenossenschaft nicht auflösen“ betonte Aufsichtsratsvorsitzender Ostermeier. Als erstes müsse mit Ostwind sofort die Realisierbarkeit geklärt werden. Im nächsten Jahr werde man dann deutlich mehr darüber wissen.

„Nicht auflösen und die Chance ergreifen, selbst wenn es zwei Jahre dauert!“, rief ein Genossenschaftsmitglied in die Runde und erntete dafür spontanen Applaus. „Auflösen, weil die Einspeisevergütung schwindet“, lautete eine Gegenstimme. „Es gibt keinen Grund zur Auslösung der Genossenschaft, auch wenn die EEG-Vergütungen runtergehen“, belehrte Energiebündel-Experte Josef Loderer. Schließlich waren 37 Stimmen zu verzeichnen für den befristeten Weiterbestand der Genossenschaft und 15 für die Auflösung.

Bei der nun erforderlichen Neuwahl des Aufsichtsrates wurden Hansjörg Hofmann, Alfred Ostermeier, Klaus-Peter Rinke und Josef Stelz per Handzeichen einhellig in ihrem Amt bestätigt. Volle Stimmenzahl bekam auch Roland Sammüller, den Aufsichtsratsvorsitzenden Alfred Ostermeier als fünftes Aufsichtsratsmitglied vorschlug. Josef Loderer, Vorsitzender des Energiebündels im Landkreis Eichstätt, plädierte für Dr. Bernd Weber (Böhmfeld). Weber, der das halbe Dutzend voll machte, erhielt drei Gegenstimmen. „Der Aufsichtsrat ist konstituiert und arbeitsfähig“, resümierte Aufsichtsratsvorsitzender Ostermeier. Rückblickend auf die vergangenen vier Jahre dankte er seinen Mitstreitern sowie den beiden Vorständen Otmar Oesten und Christian Preißer für die „gute und vertrauliche Zusammenarbeit“ sowie für „Sachlichkeit und Kompetenz“.

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Text zum Foto (adamo):

Gezeichnet von der Sommerschwüle im Sportheim des FC Böhmfeld: Vor der Neuwahl die Spitzenmannschaft der FWR-Energiegenossenschaft Böhmfeld mit den Aufsichtsräten Josef Stelz, Klaus-Peter Rinke, Hansjörg Hofmann und ihrem Vorsitzender Alfred Ostermeier (am Rednerpult) sowie mit den Vorständen Christian Preißer und Otmar Oesten (v. links).

Aktualisiert (Dienstag, den 28. Juni 2016 um 17:42 Uhr)

 
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